Oberliga-Torwart aus Koblenz fährt zur WM: Haitis erste WM-Liste seit 1974
Sébastien Migné hat den 26-Mann-Kader Haitis für die WM 2026 nominiert, die erste WM-Teilnahme seit der BRD 1974. Kapitän Johny Placide führt das Tor-Trio an, zu dem auch Josué Duverger vom Oberliga-Rheinland-Klub FC Cosmos Koblenz gehört. Sunderland-Stürmer Wilson Isidor sagt zu. Haiti trifft auf Brasilien, Marokko und Schottland, exakt wie bei der WM 1998 in Frankreich.
H aitis Nationaltrainer Sébastien Migné hat den 26-Mann-Kader für die WM 2026 vorgestellt. Es ist Haitis erste WM-Teilnahme seit dem Turnier 1974 in der Bundesrepublik. Kapitän Johny Placide vom SC Bastia führt eine Liste an, deren Spieler aus elf verschiedenen Ligen kommen, von der MLS über die Liga Portugal bis zur iranischen Eliteklasse und zur fünftklassigen Oberliga in Deutschland.
Die meistdiskutierte Einzelentscheidung betrifft den dritten Torhüter Josué Duverger, der beim Oberligisten FC Cosmos Koblenz im fünftklassigen deutschen Fußball spielt. Der in Kanada geborene 26-Jährige war 2024 nach Stationen in Portugal zum deutschen Amateurklub gekommen und ist damit der erste Haitianer, der mit dem deutschen Ligensystem auf Senioren-Niveau in Verbindung gebracht wird. Der FC Cosmos liegt nach vier Siegen in Folge auf Platz neun seiner Staffel, nachdem das Team zuvor noch gegen den Abstieg gekämpft hatte.
Duverger stand im 3:3 gegen Costa Rica während der erfolgreichen WM-Qualifikation auf dem Platz. Die Nominierung verschafft ihm nun einen Weg zur WM, auch wenn die Nummer eins weiterhin Placide ist. Alexandre Pierre vom FC Sochaux komplettiert das Torhütertrio. Die Abwehr ist über Angers, Gent, Lugano, Colorado Springs und LDU Quito verteilt, mit Hannes Delcroix und Jean-Kevin Duverne als routiniertesten Europa-Profis.
Im Mittelfeld bildet Wolverhampton-Spielmacher Jeanricner Bellegarde die Achse, ergänzt durch Leverton Pierre, Carl-Fred Sainthe, Jean-Jacques Danley, Pierre Woodenski und Dominique Simon. Vorn kann Migné auf eine neunköpfige Offensive zurückgreifen: Wilson Isidor, frisch aus einer Premier-League-Saison mit Sunderland, führt eine Gruppe mit Josué Casimir (Auxerre), Derrick Etienne (Toronto FC), Ruben Providence (Almere City) und dem Ferencváros-Angreifer Lenny Joseph an.
Die Auslosung schickt Haiti gleich in eine Konstellation, die an den schmerzhaftesten Auftritt der 1990er erinnert: Die Grenadiers treffen auf Brasilien, Marokko und Schottland, exakt das gleiche Gruppen-Trio wie bei der WM 1998 in Frankreich. Die Zusage Isidors nach seinem Premier-League-Durchbruch in Sunderland ist die symbolische Verstärkung, auf die der Verband gehofft hat. Migné muss aus einer auf viele Ligen verteilten Diaspora-Mannschaft einen geschlossenen Block formen, der drei in der FIFA-Rangliste höher eingestufte Teams ernsthaft fordert. Das erste Spiel ist für den zweiten Spieltag des Turniers angesetzt.